…und wie sie im Projekt entstehen
Ein gutes Bauprojekt startet selten mit falschen Entscheidungen.
Ganz im Gegenteil: Die meisten Schritte am Anfang wirken durchdacht, logisch und nachvollziehbar.
Und genau hier liegt das Problem.
Wir gehen mal konkret auf unser Top 5 Denkfehler ein:
Die Entwurfsplanung ist weit vorangeschritten, die ersten Abstimmungen laufen. Einige Punkte sind noch offen: Materialien, Details, einzelne Anforderungen.
„Das können wir später festziehen.“
Die Planung geht weiter, aber sie basiert auf Annahmen, die nie final entschieden wurden.
Ein paar Wochen später kommen genau diese Themen zurück. Nur jetzt hängen bereits weitere Entscheidungen daran.
Aus einer offenen Frage wird eine Planungsänderung. Und aus der Planungsänderung ein Eingriff in Termine und Kosten.
In dieser Situation hilft es, offene Punkte sichtbar zu machen und bewusst zu priorisieren. Nicht alles muss sofort entschieden werden, aber alles sollte einmal klar benannt und eingeordnet sein – inklusive der Frage, bis wann eine Entscheidung fallen muss.
Der Architekt ist an Bord, die ersten Schritte sind abgestimmt. Viele Themen laufen über eine zentrale Stelle.
Mit der Zeit wird das Projekt komplexer. Weitere Fachplaner kommen dazu und die Abstimmungen nehmen zu.
Die Themen verteilen sich. Entscheidungen entstehen an verschiedenen Stellen gleichzeitig.
Nicht falsch, aber auch nicht gebündelt.
Am Ende fehlt kein Wissen im Projekt, sondern der Punkt, an dem alles zusammengeführt wird.
In dieser Phase lohnt es sich, einmal sauber festzuhalten, wer im Projekt welche Rolle übernimmt und wer Entscheidungen vorbereitet.
Nicht auf dem Papier für den Vertrag, sondern konkret für den Projektalltag.
Das Projekt ist definiert, die Motivation hoch und alle wollen loslegen.
Also wird gestartet: erste Abstimmungen, erste Planungen, erste Schritte.
Erst wenn mehrere Themen parallel laufen, zeigt sich, dass die gemeinsame Grundlage fehlt.
Das Projekt bewegt sich zwar, aber nicht immer in dieselbe Richtung.
Bevor es richtig losgeht, einmal kurz stoppen und drei Dinge klären:
Was ist das Zielbild des Projekts?
Wer entscheidet im Zweifel?
Wie werden Themen strukturiert?
Das dauert keinen Tag – spart aber oft Wochen.
Es gibt eine erste Kosteneinschätzung und die Größenordnung passt.
Im Verlauf kommen Anpassungen: eine Änderung hier, eine zusätzliche Anforderung dort.
Nichts davon wirkt für sich kritisch, aber jede Entscheidung verschiebt den Rahmen ein Stück.
Am Ende ist es nicht der eine große Kostenpunkt, sondern die Summe aus vielen kleinen Entscheidungen, die nie als Gesamtbild betrachtet wurden.
Was in dieser Situation hilft, ist es Kosten nicht nur als Zahl zu betrachten, sondern regelmäßig im Zusammenhang mit Entscheidungen, wie z.B. mit dieser Frage:
„Welche Auswirkung hat diese Entscheidung auf das Gesamtbudget?“
So bleibt das große Bild erhalten.
Die Beteiligten sind im Austausch, Meetings finden statt, Themen werden besprochen. Die Kommunikation läuft und Themen werden mehrfach aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert.
Nicht, weil jemand falsch arbeitet, sondern weil die Struktur fehlt.
Abstimmungen sollten immer klar strukturiert sein:
Wer bereitet das Thema vor?
Was ist die konkrete Entscheidungsfrage?
Was ist das Ergebnis des Termins?
Das macht aus Gesprächen echte Fortschritte.
--
Was uns in vielen Bauprojekten auffällt
Es sind selten die großen, offensichtlichen Fehler. Viel häufiger sind es kleine Entscheidungen am Anfang, die im weiteren Verlauf an Wirkung gewinnen.
Gerade in der Planung und Projektsteuerung entscheidet sich früh, wie klar ein Bauprojekt läuft, oder wie viele Reibungsverluste entstehen.
Ein Bauprojekt wird nicht nur durch gute Planung erfolgreich, sondern durch klare Entscheidungen und eine saubere Struktur im Hintergrund.
Wenn du einschätzen willst, wo dein Projekt aktuell steht und welche Themen kritisch werden könnten:
ÜBER DEN AUTOR

Hi, ich bin Clemens!
Seit über 20 Jahren begleite ich Bauprojekte als Architekt, Projektsteuerer und Gründer von BRIXNER DESIGN - immer mit dem Blick fürs große Ganze: von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung. Gestaltung und Wirtschaftlichkeit gehören für mich dabei untrennbar zusammen.
Was mich besonders begeistert? Die Rolle an den Schnittstellen. Genau hier entstehen oft die größten Herausforderungen, aber auch die spannendsten Chancen. Deshalb unterstütze ich Architekten seit über 10 Jahren in ihrer Weiterentwicklung, damit auch sie Projekte aktiv mitgestalten und steuern können.
Ich bin DVP-ZERT® Projektsteuerer für die Bau- und Immobilienwirtschaft, Dozent im IHK-Zertifizierungslehrgang der Akademie Ostbayern, Coach und Consultant für Bauherren und komplexe Bauvorhaben.
Außerdem arbeite ich als Systemwise® Consultant, um Komplexität und Disruption systemisch zu verstehen und bewusst zu steuern.
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